Stückliste


Stücklisten werden in allen produzierenden Unternehmen benötigt. Sie geben die genauen Mengen aller Einzelteile an, die für den Bau eines fertigen Produktes benötigt werden. Häufig werden Stücklisten auch als Baugruppen oder Sammelartikel bezeichnet.


Komplexe Bauten bestehen aus mehreren Bau- und Einzelteilen. Die Information aus der Stückliste ist wichtig, da sie angibt, wie die einzelnen Komponenten zusammengesetzt werden. Auch wie viele Mengeneinheiten der jeweiligen Einzelteile nötig sind, gibt die Stückliste an. Dementsprechend bilden solche Baugruppen die wichtigste Grundlage für die Bedarfsermittlung und Beschaffung im Warenwirtschaftssystem. Ebenso ist sie wichtig, um die Arbeitszeit der Mitarbeiter genau einzuplanen.

Mit fachgerechten Bedarfslisten kann Fehlern und Zeitverzögerungen bei der Produktion vorgebeugt werden. Je komplexer das herzustellende Erzeugnis ist, desto empfehlenswerter ist es, mit entsprechenden Listen zu arbeiten.


In der Regel ist eine solche Liste in Tabellenform aufgebaut und daher sehr übersichtlich. Untereinander sind alle Einzelteile aufgeführt, die für die Herstellung des Endproduktes benötigt werden. Hier ein exemplarisches Beispiel für das Endprodukt Hammer:

TeilenummerBezeichnungMenge
50-1 Hammerkopf 1
50-4 Stiel 1
70-2 Keil 2


Je nach Umfang können die einzelnen Positionen noch einmal in Unterpositionen aufgeteilt sein.


Baugruppen werden nach der Art ihrer Darstellung unterschieden. Das oben genannte Beispiel ist eine recht einfach gehaltene Liste in Tabellenform. Diese Variante wird in der Praxis recht häufig angewandt. Grundsätzlich unterscheidet man folgende Stücklistenarten:
  • Mengenübersichtsstückliste
  • Baukastenstückliste
  • Strukturstückliste
  • Variantenstückliste

In der Mengenübersichtsstückliste sind sämtliche Materialien aufgelistet. Die Besonderheit: Kommt ein Bauteil mehrfach vor, wird es dennoch in seiner Gesamtmenge nur einmal aufgelistet. Wenn man diese angegebenen Mengen mit der Anzahl der zu produzierenden Stücke multipliziert, erhält man die sogenannte Auftragsstückliste.

Die Baukastenstückliste enthält stets nur eine Ebene der Produktstruktur und wird daher auch als einstufig bezeichnet. Um eine solche Liste korrekt anzuwenden und auszuwerten, ist der Einsatz einer ERP Software sinnvoll.

Sehr komplex ist die Strukturstückliste, denn sie enthält sämtliche Einzelteile und Baugruppen des zu produzierenden Endproduktes. Da sie alle Fertigungsstufen zusammenfasst, wird sie als mehrstufig bezeichnet.

Die Variantenstückliste zeichnet sich dadurch aus, dass in ihr mehrere einzelne Listen zusammengefasst sind. Die Bestandteile der einzelnen Listen sind meist identisch. In der Praxis ist das der Fall, wenn zum Beispiel ein Produkt in mehreren Farben angefertigt wird.


Baugruppen haben sich in der betrieblichen Praxis bewährt. Alle produzierenden Unternehmen sind sogar zwingend auf solche Listen angewiesen. Natürlich muss auch eine entsprechende ERP Software vorhanden sein. Für die Erstellung einer entsprechenden Liste ist in größeren Unternehmen die Konstruktionsabteilung zuständig. Im Idealfall wird die Liste dann an alle Abteilungen verteilt, die an der Produktion des Endproduktes beteiligt sind.

Wie aber geht man genau mit einer Liste um und was gilt es in der Praxis zu beachten? Wie wird eine solche Liste eigentlich erstellt?

Schritt 1: Anlegen der Einzelteile
Der erste Schritt sollte es grundsätzlich sein, alle benötigten Teile zu erfassen; in einer entsprechenden Software für die Logistik gelingt das am besten. Wichtig: Hier gilt es, so viele Informationen zu den Einzelteilen wie möglich zu sammeln. Neben den Mengeneinheiten können das auch Angaben zu den Preisen und dem Gewicht sein. Ebenso kann die Angabe der jeweiligen Bezugsquelle hilfreich sein.

Schritt 2: Sich für eine Stücklistenart entscheiden
Die Definition der Stücklistenart ist ein weiterer wichtiger Schritt bei der Erstellung einer Liste. Für welche Art der Liste man sich letztendlich entscheidet, hängt in erster Linie von der Komplexität des zu erstellenden Produktes ab. Baukastenstücklisten sind zum Beispiel immer dann empfehlenswert, wenn ein Endprodukt aus mehreren Baugruppen besteht. In diesem Fall wird für jede Baugruppe eine eigene Liste erstellt. Eine Strukturstückliste ist nicht zu empfehlen, da sie meist recht unübersichtlich ist. Eine einfache Mengenstückliste genügt dann, wenn das Endprodukt nur aus wenigen Einzelteilen besteht.

Schritt 3: Festlegung der endgültigen Form
Die Liste sollte so gestaltet sein, dass alle Beteiligten sie gut verstehen und mit ihr problemlos arbeiten können. Folgende Angaben gehören unbedingt in die Liste:
  • Einzelteile inklusive Materialnummer
  • benötigte Menge
  • Lagerort des Materials
  • Lieferant des Materials
  • Buchhaltungsdaten wie Kostenträger oder Durchschnittspreis
  • Logistik und Versand

Schritt 4: Empfänger festlegen
Die fertige Liste muss an alle Mitarbeiter verteilt werden, die an der Produktion des Produktes beteiligt sind. Neben der eigentlichen Produktionsabteilung und dem Einkauf zählt dazu auch die Absatz- und Preisplanung. Mit Hilfe der Liste kann der zu erwartende Absatz eingeschätzt werden. Davon wiederum ist die Kalkulation des Verkaufspreises abhängig.

Schritt 5: Wichtige Updates ausführen
In der Praxis kommt es durchaus vor, dass sich einzelne Komponenten der Liste ändern. Es kann zum Beispiel passieren, dass ein bestimmtes Ersatzteil nicht mehr hergestellt und durch einen Nachfolger ersetzt wird. Eine moderne ERP Software erkennt solche Änderungen automatisch, solange regelmäßig entsprechende Updates eingespielt werden. Wenn die Software dazu nicht imstande ist, sollte ein Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen prüfen, ob alle in der Liste befindlichen Artikel noch aktuell und verfügbar sind.


Die Qualität einer Produktionsliste bestimmt maßgeblich den Auftragserfolg. Je hochwertiger und verständlicher sie gefertigt ist, desto schneller wird das Endprodukt fertig und kann in den Verkauf gegeben werden. Sind dagegen Bauteile ungenau erklärt oder fehlen wichtige Mengenangaben, muss der Mitarbeiter erst nachfragen. Dadurch geht wertvolle Zeit bei der Produktion verloren. Besonders fatal sind falsche Mengenangaben. Sie können die gesamte Kalkulation verfälschen und zahlreiche weitere Fehler in der Produktion mit sich bringen. Bei der Erstellung einer Liste muss also mit äußerster Sorgfalt vorgegangen werden.


Im Warenwirtschaftssystem, der Logistik und Produktion sind Sammelartikel wichtige Komponenten. Daher sollte man moderne ERP Systeme nutzen, um solche Listen zu erstellen und zu bearbeiten. Der Vorteil bei solch einem Programm: Man kann Stammdaten wie Materialien und Baugruppen anlegen und zu jeder Zeit darauf zugreifen. Idealerweise kann man zudem Zeichnungen und Konstruktionen, die für die Produktion benötigt werden, entsprechend verknüpfen. Achten Sie auch auf die Möglichkeit, die Listen importieren und exportieren zu können.